Fleiß und Durchhaltevermögen
25 Absolventen des Abendgymnasiums verabschiedet
„Like a candle in the wind” intoniert der füllige Barde mit dem schütteren Haupthaar und der rosa Sonnenbrille, nestelt eitel an seinem grellfarben glitzernden Überwurf und zieht theatralisch das Mikrophon näher. Elton John als Stargast in der Kleingartenanlage Waldhügel? Oder doch der Deutschlehrer der Abiturientia 2002 des Rheiner Abendgymnasiums, dem es ebenso erging wie seinen Kolleginnen und Kollegen: Von ihren ehemaligen Studierenden mit Requisiten und stilechten Klamotten überrascht, fanden sie sich unversehens als Nicole, Catharina Valente, Reinhard May und Peter Brings auf der Bühne einer Playback Show wieder - komplett mit Background-Animation und angefeuert von einem Publikum, das auch die haarsträubendsten Improvisationen bejubelte.
So sang Studiendirektor Jörg Schwamborn, Leiter der Erwachsenenschule, in Kölner Mundart von der „superjeilen Zick”, die er in einer launigen, von passenden Musikausschnitten durchsetzten Rede zuvor schon hatte Revue passieren lassen. Besonders würdigte er Fleiß und Durchhaltevermögen der 26 Absolventen, die - je nach Vorbildung - bis zu dreieinhalb Jahre nach Feierabend noch einmal die Schulbank gedrückt hatten. Der Stolz auf die erreichten Abschlüsse sei umso berechtigter, als Außenstehende die Mehrfachbelastung durch Berufstätigkeit, Familie und allabendlichen Schulbesuch kaum ermessen könnten. „Ohne die Unterstützung und das Verständnis Ihrer Familien und Freunde wäre das nicht zu schaffen gewesen”, bezog Schwamborn die vielen Gäste in sein Lob mit ein.
Ganz ähnlich sah das Ingo Schmitz, der Sprecher des Entlassjahrgangs, dem es in seiner äußerst bildreichen Abschiedsrede gelang, die wichtigsten Stationen des gemeinsam zurückgelegten Wegs aufleben zu lassen. Viel Applaus erhielt die Entscheidung der Abiturientia, den Dank an die Lehrerinnen und Lehrer diesmal nicht mit individuellen Geschenken zu verbinden, sondern den gesammelten Betrag für die Partnerschule des Abendgymnasiums, die Rio Tinto Secondary School in Simbabwe, zu spenden.
Eine pfiffige Idee hatten aber auch die Studierenden des 4. Semesters, die mit dem Erwerb der Fachhochschulreife eine Zwischenstation auf dem Weg zum Abitur erreichten. Im LK Mathematik oder Erdkunde, in Deutsch oder Englisch sonst immer den Wissensfragen der Unterrichtenden ausgesetzt, drehten sie den Spieß kurzerhand um und luden das nichtsahnende Kollegium zu einer Quiz-Show des „Privatsenders TLR”. Klar, dass den Pädagogen kein Rückgriff auf eigenes Fachwissen ermöglicht, sondern zur allgemeinen Gaudi Fragen jeweils anderer Fachgebiete vorgelegt wurden. Seine löchrigen Literaturkenntnisse ließen Mathe- und Physiklehrer Jörg Schwamborn dabei ebenso alt aussehen wie Deutsch- und Englischlehrer Peter Ruenaufer die Frage nach der chemischen Zusammensetzung handelsüblichen Mineralwassers. Kein Grund zur Betrübnis freilich, da richtige wie falsche Antworten gleichermaßen mit Freibier belohnt wurden.
Schließlich gab’s für alle Lehrenden Urkunden über
die „erfolgreiche” Quizteilnahme, ehe die Studierenden aus den Händen
des Schulleiters ihre ungleich ernsthafter erworbenen Urkunden entgegen nehmen
konnten - die Abitur- und Fachabiturzeugnisse. Einer ausgelassenen Fete bis in die
frühen Morgenstunden stand danach nichts mehr im Wege.