„Unterrichten heißt ein Feuer zu entfachen"

Abendgymnasium in Rheine entlässt Abiturientia 2004

„Everybody gets a second chance!" – „Jeder bekommt eine zweite Chance!" heißt es in einem bekannten Popsong. Dies gilt im Leben glücklicherweise an vielen Stellen, auch in der Schule. Man muss diese zweite Chance nur erkennen und wahrnehmen. So wie es die 25 Abiturientinnen/en und Fachabiturientinnen/en des Abendgymnasiums in Rheine getan haben, die am vergangenen Freitag ihre Zeugnisse entgegennehmen konnten. Sie haben damit ihre zweite schulische Chance ergriffen und das als Erwachsener auf dem Zweiten Bildungsweg nachgeholt, was ihnen als jungendlicher Schüler dereinst aus den verschiedensten Gründen verwehrt geblieben ist.

Dass mit der Überreichung der Abitur- und Fachabiturzeugnisse kein Endpunkt, sondern nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum angestrebten Bildungsziel erreicht ist, machte der Leiter des Abendgymnasiums Münster, Helmut Börgmann, in seiner Abiturrede deutlich. „Menschen zu unterrichten heißt nicht, einen Eimer zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen!" zitierte er den griechischen Philosophen Aristoteles und betonte damit das zentrale Ziel allen Unterrichts am Abendgymnasium: Nicht das Kurzzeitgedächtnis der Studierenden vor den Klausuren mit einer Fülle von Informationen, Vokabeln und Formeln zu füllen, sondern das Feuer der Wissbegierde zu wecken, Lust auf Lernen zu machen. Denn während man auswendig gelernte Vokabeln vergisst und gepaukte Formeln oft schon kurz nach der Klausur nicht mehr präsent sind, brennt das einmal entfachte „Feuer des Lernens" nach dem Ende der Schulzeit weiter, trägt auch durch das Studium und die Zeit der Berufsausübung, ermöglicht lebenslanges Lernen.

Bevor Jörg Schwamborn, der Leiter der Außenstelle des Abendgymnasiums Münster in Rheine, die Abiturzeugnisse überreichte, zeigte er am Beispiel seines eigenen schulischen Werdeganges – der auch über das Abitur am Abendgymnasium führte – die Möglichkeiten auf, die in der Wahrnehmung einer zweiten schulischen Chance bestehen, bei der man von Grund auf neu starten kann und oftmals entdeckt, dass viel mehr an Können in einem steckt, als man sich selbst in seiner Zeit als Schüler zugetraut hat.

Die Sprecherin der Abiturientia, Monika Kloppenborg, hob in ihrer Ansprache die Vielfalt der Motive hervor, aus denen heraus man sich zum Besuch des Abendgymnasiums entscheidet: Nicht nur zur Sicherung des beruflichen Fortkommens oder zum Ermöglichen eines Studiums, sondern gerade auch bei den älteren Studierenden „vielleicht einfach nur, um die Zeugnisse nicht vor den Kindern verstecken zu müssen, um sich selbst etwas zu beweisen."

Im anschließenden Quizspiel der Abiturientia gab es für die Lehrer nichts zu gewinnen. Es galt vielmehr durch richtige Antworten „Torten" abzugeben. Alle zum Schluss des Spieles noch auf den Lehrerkonten verbliebenen Torten entpuppten sich als Portionen Götterspeise mit Schlagsahne, mit denen die durch Ganzkörperbodys geschützten Lehrer beworfen werden durften. Glücklicherweise stand Ballistik offenkundig nicht auf dem Lehrplan der Abiturienten, sodass die Lehrer das Wackelpuddingfestival ohne große Blessuren überstanden.

Ganz im Trend der Zeit wurde anschließend die Abiturzeitung nicht als gedrucktes Werk, sondern als aufwendig gestaltete CD-ROM verkauft, bevor mit Musik und Tanz der inoffizielle Teil der Abiturfeier begann.

Erwachsene, die ihre Fachhochschulreife oder das Abitur nachholen möchten, haben dazu am Abendgymnasium in Rheine die Möglichkeit. Hier läuft zur Zeit die Anmeldephase für das Wintersemester 2004. Anmeldungen sind möglich unter: Außenstelle Rheine des Abendgymnasiums Münster, Tel. 05971/84909, Email abendgymnasium@t-online.de oder Internet http://www.abendgymnasium-rheine.de