Afrika im Klassenzimmer
Der
Journalist Maurice Daja aus dem Tschad zu Gast im Abendgymnasium in Rheine
„Schließen Sie die Augen und lassen Sie
uns gemeinsam das Abenteuer einer Reise nach Afrika unternehmen, genauer eine
Reise in das Dorf Koumaye im Tschad.“ So beginnt Maurice Allarabaye Daja mit
den Erdkunde-Leistungskursen des Abendgymnasiums in Rheine seine virtuelle Reise
in den Nachbarkontinent Europas.
Gedämpftes Licht und afrikanische Live-Musik machen es den
Studierenden leicht, Maurice Daja auf seiner Phantasiereise via Düsseldorf nach
N`Djamena, der Hauptstadt des Tschad zu folgen. Fast meint man die Hitze Afrikas
zu spüren, als man den in poetischen Worten beschriebenen Weg durch die Savanne
zum Ziel der Reise, dem Dorf Koumaye in Gedanken durchwandert. Trommel- und Kindé-Musik
begrüßt die Reisegruppe und viele der Dorfbewohner strömen zusammen,
neugierig auf die Fremden und gerne bereit, diesen von ihrem Alltag, ihrer
Arbeit, ihren Wünschen und Hoffnungen zu erzählen.
Etwa von der beschwerlichen Arbeit der Frauen, die täglich
viele Stunden unterwegs sind, um der Familie das benötigte Trinkwasser zu
holen, im einem schweren, auf dem Kopf balancierten Krug. Aber auch von den
stimmungsvollen Festen am Feuer in der Abenddämmerung. Von den Problemen der
Jugend, mit der harten Arbeit auf den Feldern klar zu kommen. Aber auch von der
Weisheit der Dorfältesten. Von der Schrecklichkeit der traditionellen
Frauenbeschneidung. Aber auch von dem Gefühl der Geborgenheit, dass einen
umgibt, wenn man des Nachts auf seiner Matte unter dem endlos scheinenden
Sternenhimmel Afrikas in den Schlaf hinübergleitet.
Maurice Daja erzählt von all dem anschaulich und gefühlvoll,
beantwortet die vielen Fragen der Studierenden offen und voller Humor. Nach dem
Studium der Kommunikationswissenschaften und des Journalismus in Paris und Lyon
hat er als Reporter und Redakteur viele Länder Afrikas bereist. Seit 1990 lebt
er in Münster – besucht jedoch regelmäßig seine Heimat, den Tschad. Durch
seine Arbeit in den Schulen möchte er die Klischees und Vorurteile über Afrika
korrigieren helfen.
Wie sehr sich das Lebensgefühl dort und hier unterscheidet
zeigt das folgende Beispiel:
Maurice Daja schildert den Empfang, der Fremden in einem
afrikanischen Dorf bereit wird: Ein Willkommen, geprägt von Neugier und
Interesse für den Fremden, nicht selten verbunden mit einem spontanen
Willkommensfest.
Und er berichtet auch von dem Empfang, der ihm in
Deutschland nach der Rückkehr von seiner letzten mehrmonatigen Reise in den
Tschad bereitet wurde. Vor der Reise hatte er alle Nachbarn zu einem kleinen
Verabschiedungsumtrunk eingeladen. Nach der Rückkehr schellt er bei einer
Nachbarin an, um sich zurückzumelden: „Ich bin also wieder zurück aus
Afrika.“ Woraufhin die Nachbarin entgegnet: „Ja, und Sie sind dran!“ Die
verblüffte Gegenfrage „Womit dran?“ führt zu einer umgehenden Präzisierung:
„Mit dem Treppewischen, denn schließlich haben Sie dies acht Wochen lang
nicht erledigt!“
Nicht nur den Studierenden drängt sich da die Frage auf: Würde
es uns Deutschen nicht manchmal gut tun, etwas afrikanischer zu werden?
