Schulpartnerschaft
Rio Tinto Mhondoro Secondary School (Zimbabwe)
Abendgymnasium in Rheine

Aus der Beschäftigung mit dem Themenfeld „Lernen in der Einen Welt – Schule in Deutschland und in Afrika“ im Rahmen eines Leistungskurses Erdkunde entstand am Abendgymnasium in Rheine im März 1994 auf Initiative von Studierenden und Lehrern eine Schulpartnerschaft mit der Rio Tinto Mhondoro Secondary School (Zimbabwe).

Die Rio Tinto Schule liegt in Mubayira, einem Dorf ca. 90 km südwestlich der Hauptstadt Zimbabwes, Harare. In Mubayira wie auch in der ländlichen Umgebung des Ortes wohnen ausschließlich schwarze Zimbabwer. Sie hatten bis zum Ende der weißen Kolonialherrschaft im Jahre 1980 kaum Möglichkeiten, eine weiterführende Schule zu besuchen. Seit der Unabhängigkeit ist die Regierung Zimbabwes bestrebt, allen Bürgern ihres Landes den Weg zu höheren Schulabschlüssen zu öffnen. Die 1982 gegründete Rio Tinto Schule ist einer der Schritte zur Verwirklichung dieses Zieles.

Es handelt sich bei ihr um eine Schule mit rund 600 Schülern. Bis vor eineinhalb Jahren war auf dieser Schule der Erwerb des Realschulabschlusses möglich. Seit dem Sommer 2000 befindet sich eine Oberstufe mit dem Ziel des Abiturs im Aufbau. Der Tagesschule angegliedert ist eine Abendschule, auf der sich Ende 2000 rund 45 Erwachsene, darunter 23 Frauen, auf den nachträglichen Erwerb von Bildungsabschlüssen vorbereiten. Das Spektrum ihrer Berufe reicht von Krankenschwester, Hausfrau und Verwaltungsangestellter bis hin zu Bauer und Grundschullehrer (diese unterrichten in Zimbabwe häufig ohne Abitur und Lehrerexamen). Neben Shona, der Muttersprache der Studierenden, werden sie auch in Mathematik, Englisch, Erdkunde, VWL, Religion und Naturwissenschaften unterrichtet.

Die Tagesschüler haben neben den theoretischen Fächern, wie wir sie kennen, auch praktische Fächer wie Anbautechniken/Landwirtschaft, Mauern oder Handarbeiten. Die im Unterricht erstellten Produkte werden verkauft, um der Schule Geld für den Ankauf von Kreide, Papier usw. zur Verfügung zustellen. Denn außer den Lehrergehältern erhält die Rio Tinto Schule, wie die meisten Schulen in Zimbabwe, kaum Geld vom Staat. Die Klassenstärken liegen im Schnitt bei etwa 48 Schülern. Für den Besuch der Schule müssen die Schüler Schulgeld entrichten. Ende 2000 waren dies ungefähr 120 DM/Jahr zuzüglich 100 DM für das Ablegen der Realschulabschlussprüfung. Der Durchschnittsverdienst im Raum Mubayira beträgt ca. 650 DM/Jahr.

Das Ziel der Schulpartnerschaft ist es, ein gegenseitiges Kennenlernen der       Lebensumstände, Ansichten, Gefühle und Probleme von Abendschülern in Zimbabwe und in Deutschland zu ermöglichen. Brieffreundschaften, Informationsausstellungen und ein dreiwöchiger Zimbabwe-Aufenthalt der Schulpartnerschaftsgruppe während der Sommerferien 1996 haben dazu beigetragen, diesem Ziel ein Stück näher zu kommen.

An verschiedenen Stellen wird zudem im Erdkundeunterricht auf das Land Zimbabwe und unsere Partnerschule eingegangen. Ein Studierender des Abendgymnasiums hat eine Abiturfacharbeit zum Thema Landwirtschaft in Zimbabwe geschrieben und die Rio Tinto Schule war Gegenstand einer Staatsexamensarbeit an der Universität Münster – erstellt von einer ehemaligen Studierenden des Abendgymnasiums in Rheine, die zu den Mitbegründerinnen der Schulpartnerschaft zählt und inzwischen als ausgebildete Lehrerin in Lingen unterrichtet.

Durch verschiedene Aktionen der Schulpartnerschaftsgruppe konnten der Rio Tinto Schule finanzielle Mittel zum Ankauf von Unterrichtsmaterialien und zur Möblierung der Bibliothek zur Verfügung gestellt werden, um den Studierenden in Mubayira ähnlich günstige Möglichkeiten zur Weiterqualifikation zu eröffnen, wie sie für uns in Deutschland selbstverständlich sind.

Die Lebensbedingungen in Mubayira und in Rheine sind sicherlich sehr verschieden, obgleich die hohe Arbeitslosigkeit die Menschen dort wie hier schwer bedrückt (in Zimbabwe liegt sie bei ca. 50 %). Insbesondere die hohe Rate an HIV-Infektionen stellte in Zimbabwe eine schwere Belastung dar (Ende 1999 waren hier rund 25 % aller Menschen zwischen 15 und 49 Jahren mit HIV infiziert, eine der weltweit höchsten Infektionsraten). Trotzdem sind, wie wir bei unserem Besuch in Mubayira und in Briefen immer wieder feststellen konnten, die schulischen Hoffnungen und Probleme der Studierenden in Zimbabwe und in Deutschland bei allen Unterschieden im täglichen Leben doch recht ähnlich. Und eins eint sie auf jeden Fall: Die Vorfreude auf die nächsten Ferien.